VideoSurfing Systems
Surfing Systems - Videosection

From June to August 1996 the arts association of Kassel presented an exhibition project titled "Surfing Systems", with international artists who deal with systems, their way of working being systemic itself. The issue was not at all as one might think by the title internet or new media, but artistic points of view dealing with effective structures within all kinds of order systems, orientation and reference. Via transfer, manipulation, exaggeration and similar strategies these systems are systemically self-referring, so that the visual and behavioural habits of the viewer or participant get surfing. As an interdisciplinary project, Surfing Systems was asking to what extent structural analogies between artistic, theoretical and functional coherences are visible and presentable regardless of the different subjects and topics.
Beyond the exhibition at the arts association, related events and the extensive catalogue including CD and CD-ROM, the project also covered a videosection presenting five programmes of 32 video works altogether. The selection was oriented entirely on the individual video and not, as in the exhibition, on the artistic attitude of the authors. Surfing the systems according to the exhibition is also the topic of the video works: Mostly short, surprisingly brittle and profoundly funny tapes make strategic attempts on codes and readings. One can seldom be sure where the fun stops and seriousness begins, where elements are formal or contextual, whether a particular change in genre was accidental or on purpose, or whether it is really an insidious fake. The works selected for "Surfing Systems" are full of discrepancies and breakings of convention. The on systemization calibrated look of the viewer is sent on the surf board, not as a gesture of the Anything Goes, but with icecold calculus. Eight videos were selected for presentation at Cluster Images, reflecting the colourful and exciting spectrum of the Surfing Systems videosection.


Surfing Systems - Videosektion
Unter dem Titel "Surfing Systems" praesentierte der Kasseler Kunstverein von Juni bis August 1996 ein Ausstellungsprojekt mit internationalen KuenstlerInnen, die sich mit Systemen beschaeftigen und deren Arbeitsweise selbst systemisch ist. Dabei ging es keinesfalls, wie man bei einem solchen Titel vielleicht denken koennte, um Internet oder Neue Medien, sondern um kuenstlerische Positionen, die sich mit den wirksamen Strukturen in Ordnungs-, Orientierungs- und Bezugssystemen aller Art beschaeftigen. Durch Transfer, Manipulation, Ueberhoehung oder aehnliche Strategien werden diese Systeme "systemisch" auf sich selbst bezogen und so die Seh- und Verhaltensgewohnheiten des Betrachters oder Teilnehmers "ins Surfen versetzt". "Surfing Systems" war somit ein interdisziplinaeres Projekt, das fragte, inwieweit strukturelle Analogien zwischen kuenstlerischen, theoretischen und funktionalen Zusammenhaengen sichtbar und praesentierbar sind ungeachtet sehr unterschiedlicher Aufhaenger und Themen.
Ueber die Ausstellung im Kunstverein, die Begleitveranstaltungen und ein umfangreiches Katalogbuch mit CD und CD-ROM hinaus umfasste das Projekt auch eine Videosektion, die in Form von fuenf Programmen, mit insgesamt 32 Videoarbeiten, praesentiert wurde. Dabei orientierte sich die Auswahl allein an den einzelnen Videos und nicht, wie in der Ausstellung, an den kuenstlerischen Haltungen der Autoren. Bei den Videoarbeiten geht es, wie auch in der Ausstellung, um das "Surfen auf Systemen": Strategische Anschlaege auf Codes und Lesarten durch ueberraschend sproede oder witzig hintergruendige, zumeist eher kuerzere Baender. Selten kann man sich dabei so richtig sicher sein, wo Spaß aufhoert und wo Ernst beginnt, wo Elemente formal und wo inhaltlich funktionieren, ob ein bestimmter Genresprung Zufall oder Methode war oder ob es sich gar um ein hinterlistiges Fake handelt. Die fuer Surfing Systems ausgewaehlten Arbeiten sind voller Unstimmigkeiten und Konventionsbrueche. Der auf Systematisierungen geeichte Blick des Betrachters wird aufs Surfbrett geschickt, eben nicht als Geste eines Anything Goes, sondern mit eiskaltem Kalkuel. Fuer die Praesentation bei Cluster Images wurden acht Videos ausgewaehlt, die die vielfarbige und aufregende Bandbreite der Videosektion von Surfing Systems widerspiegeln.

George Barber: Passing Ship, GB, 1994, Video, 6.37 min

On the left side of this video diptych sequences of a typical Hollywood movie of the genre "airplane catastrophy" are showing, while on the right side a man liying in a bath tub talks about how he gradually came to terms with the actual trauma of such a catastrophy and his fear of water. Not only by the contrast of documentary interview and fictional processing of the same topic, but by the redundancies of sound and images between both "panels", telling itself and being told has come to the point.


Waehrend die linke Seite dieses Video-Diptychons Ausschnitte aus einem typischen Hollywood-Spielfilm des Genres "Flugzeugkatastrophe" zeigt, erzaehlt ein in der Badewanne liegender Mensch auf der rechten Seite davon, wie er das tatsaechliche Trauma einer solchen Katastrophe und seine Angst vor Wasser seitdem nach und nach verarbeitet hat. Nicht nur durch den Kontrast zwischen dokumentarischem Interview und fiktionaler Verarbeitung des gleichen Themas, sondern gerade durch die Ton-/Bildredundanzen zwischen beiden "Tafeln" wird das Erzaehlen selbst bzw. das Erzaehltbekommen auf den Punkt gebracht.

Vincent Carelli: Video Cannibalism, BR, 1995, Video, 17 min

An isolated tribe of indians living far away from any kind of civilization, is visited by a film team and gets to know modern video technology, at first from the angle of the actor and then from that of the director: they are shooting their own action movie. Gradually the viewer discovers discrepancies, which at first appear exotic, then grotesque and finally tasteless - slowly the suspicion arises, that all this is a tricky farce. The suspicion however cannot be verified, facts and fiction become odd. What is left, is the experience of oneself being fixed on the distinction between the two.

Ein weitgehend von jeder Zivilisation isoliert lebender Indianerstamm wird von einem Kamerateam besucht und lernt die moderne Videotechnik zuerst aus der Schauspieler- und schließlich aus der Regisseurenperspektive kennen: Sie drehen ihren eigenen Action-Spielfilm. Nach und nach stoeßt der Betrachter dabei auf Unstimmigkeiten, die er sich zuerst als exotisch, dann als grotesk und schließlich ggf. als geschmacklos zurechtlegt - bis dann so langsam der Verdacht kommt, daß es sich hier um eine tueckische Farce handeln koennte. Der Verdacht laeßt sich jedoch nicht verifizieren, Fakten und Fiktionen gehen fremd. Was bleibt, ist das Erleben des eigenen Fixiertseins auf deren Unterscheidbarkeit.

Michael Curran: L'Heure Autosexuelle, GB, 1995, Video, 5 min

A nude man is winding hectically in fast motion in front of the camera, rubbing his body with rubber gloves. The woman hanging around in the armchair behind him is obviously very unimpressed. Her bored, absent sitting-around annotates his partly dancing, partly acrobatic or just experienced efforts - and vice versa. Somehow both do not belong to each other and somehow the viewer does not fit in either.

Ein nackter Mann windet sich im Zeitraffer hektisch vor der Kamera und reibt dabei seinen Koerper mit Gummihandschuhen. Die Frau, die hinter ihm auf einem Sessel rumluemmelt, ist davon sichtlich unbeeindruckt. Ihr gelangweiltes, abwesendes Herumsitzen kommentiert seine teils taenzerischen, teils akrobatischen oder auch nur routinierten Bemuehungen - und umgekehrt. Beide gehoeren irgendwie nicht zusammen, und auch der Zuschauer ist irgendwie deplaziert.

D.C. Etzler: To go strange - Fremdgehen, D, 1993, Video, 6.05 min

An Indian band is playing the Beatles' "She loves you". On the one hand they imitate every detail of the famous (but here far eastern) four, on the other hand the clip also integrates the typical elements of Indian culture, which lead to a strangely queer liaison. Shot in India, copied to video in Dubai, bought by the author in Morocco and post-produced in Germany, this work provides an entertaining comment on cultural imperialism and the myth of the global village.

Eine indische Kapelle intoniert "She loves you" von den Beatles und imitiert dabei einerseits jedes Auftrittsdetail der beruehmten (hier allerdings fernoestlichen) Pilzkoepfe, andererseits integriert dieser Clip aber auch typische Elemente indischer Kultur, was zu einer seltsam schraegen Liaison fuehrt. In Indien gefilmt, in Dubai auf Video kopiert, in Marokko von der Autorin gekauft und in Deutschland dann nachbearbeitet, liefert diese Arbeit einen unterhaltsamen Kommentar zu Kulturimperialismus und dem Mythos des Global Village.

Heiko Fischer, Torsten Lohrmann: Thomas und die Kuh, D, 1995, Video, 3 min

Thomas Mindner is working on an organic run farm close to Aachen. He was witnessing a so called uterus prolapsus of a cow in the field and tells us in an inimitable way of the practice of a veterinarian in the countryside.

Thomas Mindner arbeitet auf einem biologisch-dynamisch bewirtschafteten Bauernhof in der Naehe von Aachen. Er wurde Zeuge eines sogenannten "Gebaermuttervorfalls" einer Kuh auf der Weide und erzaehlt uns in unnachahmlicher Weise von den Praktiken des Landveterinaers.

Dieter Lennartz: Freilandversuch Nr. 1, D, 1991, Video, 6.45 min

With several weapon-like objects the artist himself is shooting - aimed and on purpose - at the city of Wuppertal. As ammunition he is using especially grown art-flies. An experiment with flies - or with the citizens of Wuppertal.

Der Kuenstler selbst beschießt mit mehreren waffenaehnlichen Objekten - gezielt und vorsaetzlich - die Stadt Wuppertal. Als Munition benutzt er speziell herangezuechtete Kunstfliegen. Ein Experiment mit Fliegen - oder mit den Buergern Wuppertals.

Reinhard Manz: Vom Fortschritt, D, 1990, Video, 3 min

Using five technological generations of video cameras and a simple closed circuit structure (the respectively newer model of the camera is filming the predecessor model) Manz accomplishes a funny and entertaining illustration of the principle of video recording - somewhere inbetween a bored farce and an almost philosophical criticism of technology and media.

Mittels fuenf technologischer Generationen von Videokameras und einem simplen Closed Circuit-Aufbau (das jeweils juengere Kameramodell nimmt die Vorgaengermodelle auf) gelingt Manz hier eine witzige, unterhaltsame Veranschaulichung des Videoaufnahmeprinzips - irgendwo zwischen gelangweilter Farce und fast schon philosophischer Technologie- und Medienkritik.

Egbert Mittelstaedt/Alfred Banze: Zwischen blauer Wellenberge, D, 1994, Video, 3.35 min

The modern ballad-monger himself becomes an element of his own image panels. Music, text and image follow the pattern of the simplicity of medieval image finding. Mozarabian illustrations of books from the 12th century are confronted with today's computer games. As a flat image, the singer is a component of a flat world - the appearance is flat eternally.


Der moderne Moritatensaenger wird selbst zum Element seiner Bildtafeln. Musik, Text und Bild lehnen sich an die Einfachheit und Flaechigkeit mittelalterlicher Bildfindungen an. Mozarabische Buchillustrationen aus dem 12. Jahrhundert werden mit heutigen Computerspielen konfrontiert. Der Saenger ist als flaches Abbild Bestandteil einer flachen Welt - der Schein ist ewig flach.
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